Der Aufbruch des Erik Jansen  
   

Roman, Wien, Picus 2012, 168 Seiten
Oktav, Hardcover, ISBN 978-3-85452-689-6

Ein Deutschlehrer im Bann seiner anziehenden Schülerin.

Erik Jansen, um die fünfzig, Deutschlehrer mit Leib und Seele, verliert seine Anstellung im katholischen Gymnasium zu St. Theresa in Aachen. Wie es dazu gekommen ist, dass er nicht nur seine sichere Stelle, sondern auch seine Frau und ein wenig wohl auch sich selbst verlor, reflektiert er, alleine, auf einer Gruppenreise nach Jordanien. Lange bleibt er freilich nicht für sich, bald schon hängt die ältere, naive Monique an seinen Lippen, bei der er ganz Lehrer sein kann so sehr er versucht, es nicht zu sein. Die Reise ist für ihn ein Aufbruch und Befreiungsschlag, nicht nur aus der fatalen Liebe zu einer Schülerin, sondern auch aus seinem unerfüllten Leben. Und je länger sie andauert, umso mehr fühlt er sich wie Kafkas Reiter

Sylvie Schenks Überschreibung eines Kafka-Textes ist nicht nur die bewegende Geschichte eines Mannes in der Midlife-Crisis, sie ist auch ein Spiel mit der Literatur, mit Auslegungen und Signifikanz: ein kluger, feinsinniger Roman, durch den sich wie ein roter Faden die Liebe zu Kultur und Literatur zieht.

Der Aufbruch des Erik Jansen
Roman Der Aufbruch des Erik Jansen (2012)

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Mein Radio-Interview im WDR3 ('Mosaik') können Sie hier hören und herunterladen. Sendung: 19. September 2012. Moderation: Daniel Finkernagel.

 

WDR

   

Pressestimmen:

 

Joseph Hanimann in Süddeutsche Zeitung, 4. Dezember 2012:
»Die Autorin beherrscht dabei vorzüglich die Konstruktionselemente der Perspektivenkreuzung, Figurenspiegelung, Ereignisverzögerung und des Stilwechsels zwischen Bestürzung und Komik. Die aus Frankreich gebürtige Sylvie Schenk lebt seit vielen Jahren in Deutschland und schreibt Lyrik auf Französisch, Prosa auf Deutsch. In den letzten Jahren waren es vier Romane, jeweils mit kompakten und doch locker geschnürten Geschichten, scharf gezeichneten Figuren, raffiniert verkeilten Textebenen. Die Art, wie im vorliegenden Roman zwischen Aachener St.-Theresa-Gymnasium und jordanischer Touristenwüste die Bruchspuren aus einer Midlife-Routine ins Unbekannte freigelegt werden, zieht den Leser in Bann. (...) Die fünf eingefügten Aufsätze Johannas und das Dauergeplapper von Monique im Reisebus sind gelungene sprachliche Stränge, mit denen eine etwas verfahrene Lehrerexistenz festgezurrt und aus ihrem Gleichgewicht gehoben wird. Zu den Stärken der Autorin Sylvie Schenk gehört die sorgfältige Zeichnung der Nebenfiguren.Im didaktisch verkrusteten Schülerbild von Eriks Gattin Viola, in der Egozentrik von Johannas Mutter Veronika, in der pedantischen Vormundschaft von Moniques älterer Schwester Nelly scheinen Charakterzüge unserer Epoche auf: das Tabu über der minderjährigen Körperlichkeit, hypostasierte Subjektivität und Vorbildlichkeitsobsession. Nicht zufällig wohl handelt es sich bei diesen Figuren um Frauen. Erik Jansen ist der Brennpunkt, in dem, von Kafkas Parabel gebündelt, die Kraftlinien einer weiblich gefächerten Welt zusammenlaufen.«

 

Saskia Wiedner in Krautgarten Nr. 61, St. Vith (Belgien) November 2012:
»Für Schenk ist klar, dass das pädagogische Verhältnis von Lehrer und Schüler keinen Missbrauch duldet. Es geht ihr nicht darum, dieses Betreuungs- und Vertrauensverhältnis ernsthaft in Frage zu stellen. Vielmehr entfaltet der Roman die Frage nach der Bedeutung von Literatur für das Leben und nach deren adäquatem Verständnis. (...) Geradezu meisterhaft versteht es die Autorin, die Wirkung der Kafka-Parabel auf die Figur Jansen zu entfalten, indem sie das Verhältnis von Schüler und Lehrer verkehrt (...). Damit thematisiert Schenk die Liminalität, in die Jansen durch die Lektüre der Kommentare Johannas eintritt. Augenfällig stellt Schenk diese Schwellsituation in der gesellschaftlichen Eigenschaftslosigkeit des reisenden Jansen dar: Er ist jetzt nicht mehr Lehrer, nicht mehr Ehemann, und auch in der Reisegruppe sucht er keinen Anschluss. Der Aufbruch führt Jansen nicht in eine Liebesbeziehung mit Johanna; diese Lösung entspräche nicht der Entwicklungslogik des Protagonisten. Vielmehr öffnet sich Jansen über Johanna eine neue qualitative Ebene der Reflexion über sich selbst: Aus Jansen dem Lehrer wird Jansen der Autor. Der autobiographische Text Jansens zeigt die eigentliche Bedeutung von Literatur für das (sein) Leben, nämlich die diskursive Konstituierung von Identität in der Kunst. Tiefsinnig, kunstfertig und authentisch entwickelt Sylvie Schenk in ihrem aktuellen Roman die großen Fragen des menschlichen Daseins und führt diese – ganz im Sinne existentialphilosophischer Literatur – einer offenen Lösung zu.«

 

Franz Schuh in WDR5 Bücher (Das Buch der Woche), 22.9.2012:
»Unter dieser Oberfläche geht es klug und leidenschaftlich um (verbotene) Liebe und um eine der großen Miniaturgeschichten von Franz Kafka: ‚Der Aufbruch’. Eine mögliche Lesart vom Aufbruch des Erik Jansen ist, dass dieser spannende Roman uns die Feinheit literarischer Bildung vor Augen führt. In einer anderen Lesart handelt der Roman von Dekadenz: Die Literatur sensibiliert Menschen so sehr, dass sie sich über ihre eigenen Gefühle bloß über Texte austauschen können. Die Texte mögen das wilde Leben imaginieren, ihren gebildeten Konsumenten hingegen, also den habituellen Lesern (besonders den Deutschprofessoren) fehlt es an Kraft, um entschieden und stark zu existieren.«
»Besonders ist daran, dass die Autorin es auf geradezu geniale Weise versteht, einen Kafka-Text in diese Beziehung einzuplanen. (...) Also es wird eine bestimmte Unbestimmtheit erzeugt, eine entschiedene Unentschiedenheit erzeugt, was diese Gefühlswelt betrifft, die dann am Ende tatsächlich zu einer bestimmten Entscheidung in dieser Liebesgeschichte führt. (...) Das Buch ist ein Buch der Umkehrung von Autorität. (...) Dieser Ausbruch ist nicht unwichtig, erstens, er ist der Ausbruch eines Pädagogen, der plötzlich schlägt, obwohl Schlagen ihm völlig fremd ist, und zweitens, er ist der Ausbruch eines kultivierten Menschen, der in einer sexuellen, gefährdeten Notsituation seine Fassung nicht bewahren kann. Von diesen Typen sind die Zeitungen mit Recht voll. (...) Die Sprache hat bei ihr jene erfreuliche Selbstverständlichkeit, die sie überall dort hat, wo ein Erzähler bei der Sache bleiben kann und dennoch mit bestimmten dramaturgischen Tricks diese Sache spannend erzählt.«
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Tiroler Tageszeitung, 21.9.2012:
»Das Abschiedsgeschenk der Kollegen führt ihn mit einer Gruppenreise nach Jordanien, auf der er sich darüber klar werden möchte, wie Kafkas kurze Parabel ‚Der Aufbruch’ sein Leben so unerwartet auf den Kopf gestellt hat. Sylvie Schenk beschreibt in ihrem Roman einen Mann in der Mid-Life-Krise, der wie Kafkas Reiter mit ungewissem Ziel ins 'Weg-von-hier' aufbricht.«

 

Jutta Sommerbauer in Die Presse, Wien, 9.9.2012:
»Den wohlgeordneten Jansen überfordert die Radikalität der Fragen seiner Schülerin, auch ihre sexuelle Provokation, er versucht sich aus der Affäre zu winden. Erfolglos: Johanna schießt ihn von der Schule. (...) Schenk, die drei gelungene Romane bei Picus veröffentlicht hat, schildert ihre Protagonisten psychologisch meisterhaft. Ist Erik Jansen nur ein feiger Lehrer, der die Implikationen der von ihm so geachteten Worte nicht begreift? Hat seine Schülerin in ihrem Ungestüm recht? Schwer zu sagen. Aber umso spannender zu lesen.«
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Daniela Strigl in Der Standard, Wien, 8.9.2012:
»Eine Liebesgeschichte zwischen Lehrer und Schülerin: Gibt es eine banalere und zugleich riskantere Konstellation für einen Roman? Es gehört eine Portion Mut und Eigensinn dazu, solche Vorgaben zu ignorieren und die Geschichte so zu erzählen, als wäre sie die erste ihrer Art. Die deutsch-französische Autorin Sylvie Schenk, die zuletzt mit den famosen Romanen Parksünder und Der Gesang der Haut ihre Begabung für den Glanz des Naheliegenden bewiesen hat, verbindet in Der Aufbruch des Erik Jansen das Thema Lebenskrise auf aufregende Weise mit der Frage, was Literatur mit uns anstellt. (...) Der Eros des Wortes und das erotische Wort halten sich die Schwebe. Sylvie Schenks unangestrengte Liebeserklärung an die Philologie zeigt zugleich, wie das Leben eines Mannes um die fünfzig aus den Fugen gerät, wie es ‚von einer literarischen Miniatur radikal umgemünzt’ wird. Dieser Erik Jansen (...) wird von der noch nicht siebzehnjährigen Johanna, um es mit Kleist zu sagen, durch schöne Anstrengung mit sich selbst bekanntgemacht. (...) Mit meisterlicher Präzision versenkt Sylvie Schenk sich in die gekränkte Männerseele, mit viel Witz zeichnet sie den ironischen Blick nach, mit dem der Erzähler seine bieder-verlogene Umgebung, aber durchaus auch sich selbst betrachtet. Hinter seiner rhetorischen Geläufigkeit dämmert immer unabweisbarer die Selbsterkenntnis herauf. Zwischen der Radikalität des Bruchs, zwischen dem existenziellen Anliegen und der Eloquenz der Erzählung besteht eine gewisse Diskrepanz. Wenn Jansen über die Kardinalfehler seines Lebens grübelt, dann ist seine Sprache wie stets glasklar und geschmeidig, strukturiert, melodiös, schattierungsreich, kompakt. Dieser Mann würde auch über den Weltuntergang schön sprechen. Und letzten Endes geht es um nichts anderes. Wenn Sylvie Schenk von einer Amour fou und den Tücken des Literaturunterrichts erzählt, führt sie in Wirklichkeit parabolisch vor, was Roland Barthes und Maurice Blanchot mit dem Wort vom Verschwinden des Autors im Text gemeint haben, mit der süßen Lust am Untergang.«
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Ursula Krah-Will in Main Echo, Aschaffenburg, 4.8.2012:
»Geschickt verwebt Schenk die Schicksale der beiden Protagonisten mit der Parabel, die über allem schwebt. Gut geschrieben, gut zu lesen.«

 

Sabine Rother in Aachener Nachrichten, 28.7.2012:
»Ein Lehrer verliebt sich in eine Schülerin. Banal? Peinlich? Nicht bei Sylvie Schenk, denn sie geht den Seelen auf den Grund. Da die Autorin Erik selbst bei einer Jordanien-Reise aus der Rückschau erzählen lässt, erreicht sie eine weitere Ebene, denn er reflektiert sein Fühlen und Handeln. Spannend! Sylvie Schenks gute Sprache fasziniert. Die Geschichte einer Obsession verläuft jenseits von Klischees. Erik durchleidet seinen ‚Aufbruch’ im kafkaesken Sinne: Er weiß nicht, was mit ihm geschieht, aber ein nie gefühltes ‚Es’ zwingt ihn. Liebe? Auf jeden Fall ist es unentrinnbar.«

 

Daniela Strigl in der Verlagsvorschau, Sommer 2012:
»Aufbrüche sind Sylvie Schenks Spezialität. Davon, wie Literatur das Leben verändern kann, erzählt sie diesmal. Die Lovestory zwischen Lehrer und Schülerin: eine existenzielle Erschütterung. Ein Schulroman, gewiss, aber vor allem ein Männerroman voll Scharfblick, Witz und Empathie.«

 

Jutta Kleedorfer in Bibliotheksnachrichten (bn), Salzburg, 2012:
»Sein ‚Aufbruch’ besteht äußerlich in einer mehr zufällig gewählten Jordanienreise, die zu einer Suche nach sich selbst wird. Die Begegnung mit der von Existenzängsten und Minderwertigkeitsgefühlen gebeutelten Reiseteilnehmerin Monique führt zu einer bitteren und tragikomischen Wende, die der Autorin einen gezielten Bruch mit der Leseerwartung ermöglicht. Eine fein beobachtete Geschichte aus der Lehrer- und Schulmilieu, deren kunstvolle, kafkaeske Erzählstruktur ein besonderes Lesevergnügen bereiten kann.«

 

Gabriele Wild, Literaturhaus am Inn, Innsbruck, Februar 2013:
»Sylvie Schenk hat ein feines Gespür für die menschliche Psyche. Nicht nur die Beschreibung des Alltags eines Lehrer-Ehepaars ist erhellend, auch der Blick ins Konferenzzimmer und in die Seelen der Lehrerexistenzen bringt so einiges ans Licht. Ironisch und klug schreibt Sylvie Schenk über den inneren Konflikt eines Mannes. Darin begraben liegt der Wunsch nach der Überschreitung von Grenzen und dem Ausleben von Sehnsüchten. Die Erfüllung dieser Wünsche liegen aber seltener im wirklichen Leben, sondern viel häufiger zwischen zwei Buchdeckel gepresst in den Bücherregalen. In der Literatur, im Wort kann man sich hinauswagen und vielleicht am ehesten noch in der Jugend, wenn einem Verletzungen noch fremd sind und einem das Brechen von Tabus leichter fällt. Von der Grenze zwischen Realität und Literatur - auch davon handelt Sylvie Schenks Roman. Erik Jansen, als reflektierter und selbstironischer Mensch, meinte diese Grenzen zu kennen und wurde doch von ihnen überrascht.«

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